Der richtige Angebotspreis: Warum zu hoch starten am Ende Geld kostet

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Beim Verkauf einer Immobilie gibt es eine Zahl, die über fast alles andere entscheidet: den Angebotspreis. Er bestimmt, wie viele Menschen das Inserat überhaupt sehen, wie schnell die ersten Anfragen kommen und mit welcher Haltung Interessenten in die Verhandlung gehen. Viele Eigentümer setzen den Preis bewusst hoch an, nach dem Gedanken „nach unten kann ich immer noch”. In der Praxis passiert dabei regelmäßig das Gegenteil: Am Ende steht ein niedrigerer Verkaufspreis als bei einem realistischen Start.


Der erste Eindruck entsteht im Preisfilter


Kaufinteressenten suchen heute fast ausschließlich über die großen Portale, und sie suchen mit Filtern. Wer bis 350.000 Euro finanzieren kann, stellt genau diesen Wert ein. Ein Haus, das für 375.000 Euro inseriert ist, taucht in dieser Suche gar nicht erst auf, obwohl der Eigentümer bei 350.000 Euro sofort verkaufen würde.
Das ist der stille Verlust, den man als Verkäufer nie zu sehen bekommt. Es gibt keine Absage und keine kritische Rückmeldung, es passiert einfach nichts. Genau deshalb ist ein zu hoher Startpreis so tückisch: Er wirkt zunächst harmlos.


Die ersten Wochen entscheiden


Ein neues Angebot bekommt seine größte Aufmerksamkeit in den ersten zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit sehen es alle, die in der Region bereits aktiv suchen und die Portale regelmäßig durchgehen. Diese Gruppe ist wertvoll, weil sie vorbereitet ist: Finanzierung geklärt, Suchradius festgelegt, Entscheidungsbereitschaft vorhanden.
Ist der Preis in diesem Fenster zu hoch, geht diese Aufmerksamkeit ungenutzt vorbei. Wer danach neu auf den Markt kommt, sieht das Objekt zwar noch, aber mit einer anderen Brille. Denn Interessenten sehen auch, wie lange etwas schon angeboten wird.


Was eine Preisreduzierung wirklich auslöst


Steht ein Objekt zu lange ohne Bewegung, folgt fast immer die Preissenkung. Nur ist sie nicht neutral. Auf den Portalen ist eine Reduzierung für jeden sichtbar, und sie sendet eine klare Botschaft: Hier will jemand verkaufen, und bisher wollte es niemand kaufen.
Aus dieser Position heraus wird verhandelt. Interessenten rechnen dann nicht mehr mit dem neuen Preis, sondern mit dem nächsten Schritt nach unten. Aus einer Reduzierung werden häufig zwei, und der Abstand zum ursprünglichen Wunschpreis wächst mit jeder Woche. Objekte, die lange im Markt stehen, erzielen daher im Schnitt weniger als vergleichbare Immobilien, die von Anfang an richtig eingepreist waren.
Der zweite Effekt betrifft die Gespräche selbst. Ein Verkäufer, bei dem seit Monaten nichts passiert, verhandelt unter Druck. Wer dagegen nach kurzer Zeit mehrere ernsthafte Interessenten hat, kann in Ruhe abwägen, wer den besseren Preis, die sicherere Finanzierung oder den passenderen Zeitplan mitbringt.


Woran sich ein realistischer Preis am Niederrhein festmacht


Ein belastbarer Preis entsteht nicht aus einem Onlinerechner und auch nicht aus dem, was der Nachbar vor vier Jahren erzielt hat. Grundlage sind tatsächlich beurkundete Kaufpreise vergleichbarer Objekte aus dem Umfeld, dazu die Bodenrichtwerte des Gutachterausschusses und der bauliche Zustand des Hauses.
Gerade am Niederrhein spielt die Lage eine größere Rolle, als viele annehmen. Zwischen Kevelaer, Geldern, Weeze und den umliegenden Ortschaften liegen bei vergleichbarer Wohnfläche und ähnlichem Baujahr spürbare Preisunterschiede. Auch innerhalb einer Gemeinde kann es zwischen Ortskern und Außenlage deutlich auseinandergehen. Hinzu kommt der energetische Zustand: Ein gepflegtes, modernisiertes Haus und ein unsaniertes Objekt aus den Siebzigern werden heute klar unterschiedlich bewertet, selbst wenn sie in derselben Straße stehen.
Wie der weitere Ablauf nach der Preisfindung aussieht, von den Unterlagen über die Vermarktung bis zum Notartermin, haben wir in unserem Beitrag zum Verkaufsablauf beschrieben.


Realistisch heißt nicht günstig


Ein häufiges Missverständnis: Ein marktgerechter Preis bedeutet nicht, unter Wert zu verkaufen. Er bedeutet, dort zu starten, wo Käufer tatsächlich suchen, und die Aufmerksamkeit der ersten Wochen voll auszunutzen. Wenn dann mehrere Interessenten gleichzeitig kommen, entsteht Wettbewerb, und der arbeitet für den Verkäufer.
Das gilt umso mehr in einem Markt wie dem aktuellen. Die Preise haben sich stabilisiert und ziehen in vielen Regionen wieder leicht an, aber Käufer rechnen deutlich genauer als noch vor einigen Jahren. Die Zeiten, in denen ein ambitionierter Preis einfach mitgetragen wurde, sind vorbei.


Häufige Fragen


Wie viel Verhandlungsspielraum sollte ich einplanen?


Ein kleiner Puffer ist üblich, weil Käufer erfahrungsgemäß verhandeln möchten. Er sollte allerdings im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen. Alles darüber kostet Sichtbarkeit in den Suchfiltern.


Was passiert, wenn ich einfach abwarte?


Ohne Preisanpassung passiert in der Regel wenig. Das Objekt verliert an Aufmerksamkeit, und die Verkaufsdauer wird selbst zum Argument in der Verhandlung.


Kann ich den Preis später wieder anheben?


Technisch ja, praktisch bringt es nichts. Portale und Interessenten sehen die Preishistorie, eine Erhöhung wirkt in aller Regel unglaubwürdig.


Wie genau ist eine Onlinebewertung?


Sie liefert eine erste Orientierung, arbeitet aber mit Durchschnittswerten. Zustand, Grundriss, Ausstattung und die konkrete Lage im Ort werden dabei nicht erfasst, und genau diese Punkte machen am Niederrhein oft mehrere zehntausend Euro aus.


Unser Fazit


Der Angebotspreis ist keine Verhandlungsposition, sondern ein Werkzeug. Richtig gesetzt bringt er Ihnen die richtigen Interessenten zur richtigen Zeit. Zu hoch gesetzt kostet er Sie zuerst Aufmerksamkeit und am Ende Geld.
Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Immobilie in Kevelaer, Geldern, Weeze oder der Umgebung realistisch steht, schauen wir sie uns gerne an. Wir bewerten anhand echter Vergleichsdaten aus der Region und sagen Ihnen ehrlich, was erzielbar ist, auch wenn das nicht immer die höchste Zahl ist.