Bodenrichtwerte 2026: Was sie über den Wert Ihres Grundstücks verraten

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Wer am Niederrhein über den Verkauf seines Hauses nachdenkt, stößt früher oder später auf den Bodenrichtwert. Er ist amtlich, kostenlos abrufbar und wirkt deshalb wie eine verlässliche Antwort auf die Frage, was die eigene Immobilie wert ist. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Der Bodenrichtwert verrät viel über Ihre Lage, aber nur einen Teil über den Preis, den Ihr Haus am Markt erzielt. In diesem Beitrag erklären wir, was hinter dem Wert steckt, wo Sie ihn finden und wie sich die Bodenrichtwerte in Kevelaer und der Region 2026 entwickelt haben.

Was ist ein Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Lagewert für Grund und Boden, angegeben in Euro pro Quadratmeter. Er gilt nicht für ein einzelnes Grundstück, sondern für eine sogenannte Bodenrichtwertzone, also ein Gebiet mit ähnlicher Lage und Nutzung. Geregelt ist das im Baugesetzbuch (§ 196 BauGB).

Ermittelt werden die Werte von unabhängigen Gutachterausschüssen. Für Kevelaer, Geldern, Weeze und die übrigen Orte im Kreis ist das der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Kreis Kleve. Grundlage sind echte Kaufpreise: Notare schicken jeden Grundstückskaufvertrag an den Gutachterausschuss, der daraus eine Kaufpreissammlung führt und die Werte ableitet.

Wichtig für das Verständnis: Der Bodenrichtwert betrachtet den Boden so, als wäre er unbebaut. Haus, Garage und Garten fließen nicht ein. In Nordrhein-Westfalen werden die Werte jährlich zum Stichtag 1. Januar ermittelt. Die aktuellen Werte zum 1. Januar 2026 beruhen also auf den Verkäufen des Jahres 2025.

Wo Sie den Bodenrichtwert finden

In Nordrhein-Westfalen ist die Abfrage einfach und kostenlos. Alle Werte stehen im offiziellen Portal BORIS-NRW unter boris.nrw.de, dem Informationssystem der Gutachterausschüsse.

  1. Rufen Sie boris.nrw.de auf.
  2. Geben Sie Ihre Adresse in die Suche ein.
  3. Klicken Sie in der Karte auf Ihr Grundstück. Angezeigt werden der Bodenrichtwert und die Merkmale des sogenannten Richtwertgrundstücks, etwa die Art der Nutzung und die Grundstücksgröße.

Dort finden Sie übrigens auch die Grundstücksmarktberichte der Gutachterausschüsse, ebenfalls kostenlos. Sie zeigen, zu welchen Preisen in der Region tatsächlich verkauft wurde.

Bodenrichtwerte in Kevelaer und am Niederrhein

Die Bodenrichtwerte für den Kreis Kleve zum Stichtag 1. Januar 2026 wurden Ende März 2026 veröffentlicht. Für Kevelaer zeigen sie eine deutliche Bewegung nach oben: Gemittelt über alle Wohnbauzonen liegt der Bodenrichtwert bei rund 116 Euro pro Quadratmeter. Im Vorjahr waren es rund 106 Euro, ein Plus von gut 9 Prozent. Damit liegt der Durchschnitt wieder über dem Niveau von 2021.

Innerhalb der Stadt sind die Unterschiede groß. Die günstigsten Wohnbauzonen liegen bei rund 88 Euro pro Quadratmeter, in der Kevelaerer Innenstadt sind es deutlich mehr. Auch in den Nachbarorten haben die Werte zugelegt, allerdings unterschiedlich stark (Durchschnitt aller Wohnbauzonen, Veränderung zum Vorjahr):

  • Weeze: rund 91 €/m² (+14 %)
  • Geldern: rund 111 €/m² (+9 %)
  • Straelen: rund 118 €/m² (+5 %)
  • Goch: rund 106 €/m² (+2 %)
  • Kleve: rund 139 €/m² (+2 %)

Zum Vergleich: Landesweit sind die Preise für Bauplätze für Ein- und Zweifamilienhäuser im Jahr 2025 im Schnitt nur um etwa 2 Prozent gestiegen. Kevelaer, Geldern und Weeze liegen also klar über dem Landestrend. Für Eigentümer ist das eine gute Nachricht: Der Boden unter ihrem Haus hat spürbar an Wert gewonnen.

Warum der Bodenrichtwert nicht der Wert Ihrer Immobilie ist

So hilfreich der Bodenrichtwert ist: Für eine Verkaufsentscheidung reicht er allein nicht aus. Dafür gibt es drei Gründe.

Er bewertet nur den Boden. Bei einem bebauten Grundstück steckt ein großer Teil des Werts im Gebäude. Baujahr, Zustand, Modernisierungen, Grundriss und Energieeffizienz spielen beim Bodenrichtwert keine Rolle.

Er ist ein Durchschnitt. Der Wert gilt für ein typisches Grundstück in der Zone. Weicht Ihr Grundstück davon ab, etwa durch einen ungewöhnlichen Zuschnitt, eine besondere Größe oder eine andere Bebaubarkeit, sind Zu- oder Abschläge nötig.

Er blickt zurück. Die Werte zum 1. Januar 2026 beruhen auf Kaufpreisen aus dem Jahr 2025. Was seitdem passiert ist, steckt nicht darin. In diesem Jahr hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bereits zweimal angehoben, und das wirkt sich auf Finanzierung und Nachfrage aus.

Ein Rechenbeispiel zeigt, wie groß die Lücke sein kann: Ein 600 Quadratmeter großes Grundstück ergibt bei 116 Euro pro Quadratmeter einen Bodenwert von rund 70.000 Euro. Ein gepflegtes Einfamilienhaus auf diesem Grundstück erzielt am Markt in aller Regel ein Vielfaches davon.

Fachleute nutzen den Bodenwert deshalb nur als einen Baustein. Beim Sachwertverfahren kommt der Wert des Gebäudes hinzu und das Ergebnis wird an die aktuelle Marktlage angepasst. Beim Vergleichswertverfahren dienen tatsächliche Verkäufe ähnlicher Objekte als Maßstab. Warum ein realistischer Startpreis am Ende so wichtig ist, lesen Sie in unserem Beitrag zum richtigen Angebotspreis.

Wofür der Bodenrichtwert sonst eine Rolle spielt

Grundsteuer: Für die neue Grundsteuer hat das Finanzamt in Nordrhein-Westfalen den Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022 herangezogen. Die gestiegenen Werte von 2026 ändern Ihre Grundsteuer deshalb nicht automatisch. Neu festgestellt wird turnusmäßig erst wieder zum 1. Januar 2029.

Erbschaft und Schenkung: Auch hier berechnet das Finanzamt den Bodenwert mit dem Bodenrichtwert. Fällt der Wert für Ihre Immobilie zu hoch aus, können Sie mit einem Gutachten einen niedrigeren Wert nachweisen. Bei steuerlichen Fragen ist Ihr Steuerberater der richtige Ansprechpartner. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Beitrag Geerbte Immobilie verkaufen.

Häufige Fragen zum Bodenrichtwert

Wie oft werden die Bodenrichtwerte aktualisiert?

In Nordrhein-Westfalen einmal im Jahr, immer zum Stichtag 1. Januar. Der Gutachterausschuss im Kreis Kleve hat die aktuellen Werte Ende März 2026 veröffentlicht.

Kostet die Abfrage etwas?

Nein. Über BORIS-NRW können Sie den Bodenrichtwert für jede Adresse in Nordrhein-Westfalen kostenlos einsehen.

Kann ich mit dem Bodenrichtwert meinen Hauswert berechnen?

Nein. Mit Bodenrichtwert und Grundstücksgröße können Sie grob den Wert des Bodens abschätzen. Den Wert des Gebäudes und die aktuelle Marktlage bildet der Bodenrichtwert nicht ab.

Was ist der Unterschied zwischen Bodenrichtwert und Verkehrswert?

Der Bodenrichtwert ist ein Durchschnittswert für den Boden in einer Zone. Der Verkehrswert ist der Preis, den Ihre gesamte Immobilie mit Gebäude zu einem bestimmten Zeitpunkt am Markt erzielen würde.

Warum ist der Bodenrichtwert in Kevelaer 2026 gestiegen?

Der Wert spiegelt die Kaufpreise des Jahres 2025 wider. In diesem Jahr wurden für Bauland in Kevelaer im Schnitt höhere Preise gezahlt als im Jahr davor. Die Nachfrage nach Wohnraum in der Region war also robust.

Was ist Ihre Immobilie heute wert?

Der Bodenrichtwert ist ein guter erster Anhaltspunkt. Für eine Verkaufsentscheidung brauchen Sie aber den Wert Ihres ganzen Hauses, so wie der Markt ihn heute sieht. Genau den ermitteln wir für Sie: kostenlos, unverbindlich und mit dem Blick von Menschen, die in Kevelaer aufgewachsen sind und den Markt am Niederrhein kennen.

Wie ein Verkauf danach abläuft, erklären wir in unserem Ratgeber Immobilie verkaufen: der Ablauf Schritt für Schritt.